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Diese Menschen ermöglichen die HC Davos-Heimspiele

Während die Fans ihre Plätze auf der Tribüne einnehmen, haben die Funktionäre des HC Davos längst ihre Position bezogen. Sie sorgen dafür, dass ein Hockeyspiel stattfinden kann: sei es auf der Strafbank, als Speaker oder am Videowürfel. 

Autor: Tobias Caflisch

Titelbild: Das sind die Funktionäre des HC Davos: Zeitnehmer Edi Krummenacher, Strafbankbetreuer Gerhard Schnetzler, Reporter Luca Amman, Videowürfelbediener Dario Baltensperger und Speaker Martin Eichholzer (von links). Bildquellen: Tobias Caflisch, bearbeitet mit Photoshop 26.

Nach einem langen Arbeitstag freuen sich viele Hockeyfans darauf, den Kopf beim Spiel zu lüften. Für die Funktionäre geht die Arbeit am Abend erst richtig los. Diese machen sie als Nebenjob und für einen geringen Lohn. Pro Spiel stehen gemäss Aussage des Hockey Club Davos zwischen 100 und 130 Funktionäre im Einsatz. Sie arbeiten in der Stadiongastronomie, im Sicherheitsdienst oder im Spielbetrieb. Letztere sind für die Durchführung eines Eishockeyspiels unverzichtbar. Weshalb, das zeigen sie uns beim National-League-Spiel zwischen dem HC Davos und dem EV Zug.

Der Reporter – nimmt die Öffentlichkeit mit ans Spiel

Luca Amman hat an diesem Abend wohl eine der wichtigsten Aufgaben. Er ist heute Reporter für den Hockeyverband. Bereits drei Stunden vor Anpfiff sitzt er an seinem Arbeitsplatz und trägt die beiden Mannschaftsaufstellungen, welche ihm der Speaker direkt von den jeweiligen Trainern brachte, auf die offizielle Swiss-Ice-Hockey-Seite. «Sobald die Aufstellungen im Internet stehen, greifen alle Medien auf diese zu und verbreiten sie weiter. Ich bin der Erste, der die Mannschaftsaufstellungen fürs Spiel öffentlich macht», erklärt Amman, während er seine Einträge gerade mit dem Blatt des HCD-Trainers abgleicht. Auch während des Spieles erfährt er jeweils als Erstes, wer die Tore geschossen hat und weshalb ein Spieler auf die Strafbank muss. «Hierfür stehe ich mit dem Schiedsrichter im Funkkontakt», sagt Amman. 

Sobald das Spiel angepfiffen wird, muss er neben dem Eintragen aller Strafen und Tore auch den Stadionsprecher über die Ereignisse informieren, damit dieser die passenden Ansagen machen kann.

Reporter Luca Amman an seinem Arbeitsbereich direkt am Spielfeldrand – vor ihm der Laptop, über den er die Matchinfos in Echtzeit auf die offizielle Verbandsseite überträgt.
Bildquelle: Tobias Caflisch

Der Speaker – die Stimme des HC Davos

Martin Eichholzer ist einer der Ersten im Stadion. Nachdem er beide Teams in der jeweiligen Garderobe begrüsst und die Aufstellung erhalten hat, geht er in die «Regie», seinen Arbeitsplatz, direkt unter dem Stadiondach, wo er sich auf das Spiel vorbereitet. Er lernt die Namen der gegnerischen Spieler, fragt bei Unsicherheiten bezüglich der Aussprache direkt bei ihnen nach und schreibt eine Begrüssung, speziell für dieses Spiel.

Die primäre Aufgabe des Speakers ist es, das Publikum zu informieren. «Goaldurchsagen, Bekanntgaben der Strafen und Sponsorenhinweise», fasst Eichholzer seinen Job zusammen. Dieser ist emotionsreich, wie er im Audiobeitrag zeigt.

Eichholzer ist einer von drei Speakern des HC Davos und muss deshalb nicht an jedem Match arbeiten. «Ich versuche trotzdem, bei jedem HCD-Spiel im Stadion zu sein. Wenn man jedoch selbst speakert, ist das Erlebnis schon viel cooler». 

Speaker Martin Eichholzer während seines Highlights: Der Mannschaftsaufstellung des HC Davos.
Bildquelle: Tobias Caflisch

Die Funktionäre und der Lohn

Die meisten Funktionäre gehen einer regulären Arbeit nach oder sind bereits pensioniert. Den Nebenjob beim HCD sehen sie als «bezahltes Hobby». Rund fünfzig Franken bekommt ein Funktionär pro Spiel, der genaue Betrag ist abhängig von der jeweiligen Funktion und dem Zeitaufwand. Dieser beträgt pro Partie meist zwischen vier und sechs Stunden. «Wenn man es als Hobby betrachtet, ist der Lohn okay. Gemessen an der  Verantwortung, die man je nach Funktion hat, jedoch weniger», sagt ein Funktionär, der anonym bleiben will. Die wenigsten würden nur wegen des Geldes beim HCD arbeiten. 

Elena Buchli, die beim HC Davos für den Spielbetrieb verantwortlich ist, kennt diese Einschätzung. «Bei einem Grossteil ist dies wohl der Fall. Es arbeiten jedoch auch viele Schülerinnen und Schüler als Funktionäre beim HCD, um neben der Schule etwas dazuzuverdienen». Zudem hat der HC Davos laut Buchli «attraktive Anstellungsbedingungen» für Funktionäre. «Es gibt viele Klubs, die gar kein Geld an Funktionäre bezahlen, sondern einfach eine Verpflegung zur Verfügung stellen», sagt Buchli. «Dies müssen wir aber auch haben, da wir ein viel kleineres Einzugsgebiet haben und demnach auch grössere Schwierigkeiten haben, genügend Personal zu finden».

Sie schätzt die Arbeit der vielen Freiwilligen und weiss, dass viele aus reinem «Goodwill» als Funktionär arbeiten, so beispielsweise Punktrichter Luca Amman: «Als ich noch zur Schule ging, war sicher der Lohn eine Motivation». Nach abgeschlossener Lehre blieb er dem HCD erhalten – aus Freude am Job und um gratis Hockey schauen zu können. Laut Buchli überzeugen diese Argumente auch andere Funktionäre, beim HCD zu arbeiten: «Die Hauptgründe sind aber wohl, dass viele gerne ein Teil der HCD-Familie sind, dass Sport verbindet und sie sich mit dem HCD identifizieren können».

Laut Elena Buchli können sich viele Funktionäre mit dem HCD identifizieren und wollen von sich aus Teil der HCD-Familie sein. Bildquelle: hcd.ch

Der Strafbankbetreuer – der ruhende Pol am Spielfeldrand

Gerhard «Gega» Schnetzler ist dem Spielgeschehen am nächsten. Sein Arbeitsplatz befindet sich direkt am Spielfeldrand auf der Strafbank. Sein Job: die Strafbanktüre im richtigen Moment zu öffnen. Sei es, wenn ein Spieler wegen einer Strafe auf die Strafbank muss, oder wenn er nach seiner Zeit in der «Kühlbox» wieder ins Spiel eingreifen darf. 

„Einmal waren die Spieler so aggressiv, dass sie die Tür selber öffneten. Dann ging auch noch der falsche Spieler auf das Eis zurück. Das Spiel musste unterbrochen werden.“

Gerhard «Gega» Schnetzler, Strafbankbetreuer HCD

Was einfach klingt, ist es jedoch nicht. Denn es können mehr als zwei Spieler gleichzeitig eine Strafe absitzen. «Deshalb ist es wichtig, die jeweiligen Spielzeiten korrekt zu notieren. Dies hilft, den Überblick zu bewahren», sagt Schnetzler. Er ist der ruhige Pol im hektischen Eishockeygeschehen. Wenn das ganze Stadion wegen einer Strafe pfeift, behält er den Überblick. Denn wenn ein Spieler zur falschen Zeit die Strafbank verlässt, muss der Schiedsrichter das Spiel unterbrechen. Passiert ist das bereits, wie Schnetzler sagt: «Einmal waren die Spieler so aggressiv, dass sie die Tür selber öffneten. Dann ging noch der falsche Spieler aufs Eis zurück. Die Schiedsrichter waren gar nicht erfreut!» Danach habe sich jeder wieder beruhigt und das Spiel konnte wie geplant fortgesetzt werden.

Gerhard «Gega» Schnetzler an seiner Strafbank. Heute hält er die Tür für den Gast EV Zug auf.
Bildquelle: Tobias Caflisch

Der Videowürfelbediener – der Regisseur über dem Eis

«Man muss Eishockey mögen. Ohne die Freude am Sport könnte man diesen Job nicht machen», sagt Dario Baltensperger. Er bedient den Videowürfel des Hockeyclubs Davos und ist leidenschaftlicher Eishockeyfan. «In der Regular Season arbeite ich an 26 Spielen. Zusammengerechnet mit den Play-offs bin ich also einen ganzen Monat jeden Abend hier». Den Aufwand nimmt Baltensperger gerne auf sich. «Das Beste am Job ist neben dem coolen Team die Emotionen, welche man durch den Videowürfel bei den Fans rauskitzeln kann». Seine Tricks dabei sind vielfältig, wie er im Videobeitrag erklärt.

Baltensperger ist während der Corona-Pandemie in den Nebenjob beim HCD reingerutscht: «Ich wollte wieder mal ins Stadion an einen Match. Das war aufgrund des Lockdowns nicht möglich. Als ich erfuhr, dass der HCD jemand für den Job als Videowürfebediener suchte, sagte ich ohne zu zögern zu. Es war eine Win-win-Situation für beide».

Der Zeitnehmer – Herr der Sekunde

Ein Wimpernschlag kann ein Spiel entscheiden – das weiss auch der Zeitnehmer Edi Krummenacher. Seit über 30 Jahren und drei verschiedenen Uhrsystemen stoppt er an den HCD-Heimspielen die Spielzeit. Als man ihn auf seinen speziellsten Moment anspricht, erzählt er eine Anekdote aus einem früheren Spengler-Cup-Spiel: «Wir hatten aus Versehen die Spieldauer eines Drittels auf 15 statt auf die richtigen 20 Minuten eingestellt. Plötzlich kamen alle auf uns zu: Schiedsrichter, Spieler und in der Pause sogar ein Fernsehteam, das uns zu dem Fehler befragen wollte». In solchen Momenten werde ihm wieder bewusst, was für eine Verantwortung er in diesem Job trage. Der Match an diesem Abend verläuft ohne eine solche Störung. 

Sechs Tore muss Krummenacher auf die Uhr eintragen, fünf für den HC Davos und eines für den EV Zug. Es war für ihn ein «ruhiger» Match. Umso glücklicher ist er mit dem Ausgang des Spiels.

Zeitnehmer Edi Krummenacher ist bereit, die Zeit an diesem Spiel zu stoppen. Dies ist bereits das dritte Uhrsystem, welches er in seiner Karriere bedient.
Bildquelle: Tobias Caflisch

Können Sie sich vorstellen, als Funktionär bei einem Sportklub zu arbeiten?